Ein Licht in tiefster Dunkelheit

Seit Jahren beschäftige ich mich mit dem Wissen um alte Gebräuche, Rituale und Überlieferungen. Es fasziniert mich so sehr, dass es in mein persönliches Leben und auch in mein Wirken als Bewusstsein-Arbeiterin mit einfließt. Darum möchte ich heute auf die Wintersonnenwende (21. Dezember) eingehen. An der Wintersonnenwende erleben wir die längste Nacht und den kürzesten Tag des Jahres. Ab diesem Tag nimmt die Anzahl der hellen Stunden wieder zu.

Bei mir ist es die Zeit der Vorfreude auf Weihnachten  –  auf das „GEFÜHL“ Weihnachten: dem Fest der Liebe und der Dankbarkeit. Schaue ich mich aber um, sehe ich bei vielen Menschen das diese Zeit zu einer Zeit des Streßes geworden ist. Die letzten Geschenke werden gekauft, es wird über den Weihnachtsmarkt gehetzt und von einer Weihnachtsfeier zur nächsten. Druck und Eile an allen Ecken und Enden! Letzte Woche waren wir mit unserer Tochter in einem großen Einkaufszentrum und wollten ihr mit dem Besuch eine Freude machen. Es war schon spät am Nachmittag, es war dunkel und die Beleuchtungen waren überall eingeschalten. Als wir in dieses Einkaufszentrum traten wurden ihre Augen größer und größer und ein unglaubliches Strahlen legte sich über ihr Gesicht. Ich sah meinen Mann an und mir liefen die Tränen. 

Dieser kleine Mensch war total überwältigt von der Dekoration und den vielen kleinen Aufmerksamkeiten die in den Gängen aufgestellt waren. Ich kniete mich ganz oft zu ihr herunter und bestaunte Kleinigkeiten, ich war wieder ganz Kind. Natürlich gingen die Blicke der Menschen um uns herum nicht an mir vorüber: kopfschütteln, Betroffenheit, Scham und Traurigkeit sah ich in vielen Gesichtern. 90% der Menschen „rannten“ durch das Center, schuppsten einander und warfen einander böse Blicke zu. Wo ist der Geist der Weihnacht geblieben? 

Die Frage ist: wo suchen wir ihn?

 

Der Geist der Weihnacht ist nicht in Geschenken, Glühwein oder Plätzchen zu finden. Er findet sich in meinem Herzen und in deinem Herzen! Nirgendwo anders … erst wenn wir das erkennen können, werden wir aufhören Plätzchen im Akkord zu backen (nur damit wir jemanden beeindrucken können), dann werden wir aufhören uns selbst so dermaßen unter Druck zu setzen das diese Zeit zur hektischsten des ganzen Jahres wird. Warum? Weil wir dann aus Liebe heraus handeln – auf Selbstliebe und Nächstenliebe heraus!!

Die täglichen Schreckensmeldungen im Fernsehen und jüngst der Anschlag in Berlin machen mich traurig und wütend. Traurig weil Menschen ihr Leben lassen mussten; weil Menschen in Angst versetzt werden und die Freiheit unseres Seins bedroht scheint. Wütend macht es mich, dass so viele Menschen in den sozialen Netzwerken Hass- und Schimpftiraden loslassen. Menschen fordern Freiheit, die sie durch andere Menschen gefährdet sehen. Sie schreien nach Gerechtigkeit und Bestrafung. Ich halte mich bewusst aus solchen Diskussionen heraus, bin stille Mitleserin. Wer bin ich, dass ich mich aufschwinge und nach Gerechtigkeit schreie?! Sollte ich nicht erst bei mir schauen? Was ist denn überhaupt Gerechtigkeit? Wer legt das fest? Wir wollen persönliche Freiheit und diese gilt es gegenüber Menschen aus anderen Ländern und Kulturen zu verteidigen. Diese wollen sie uns schließlich wegnehmen – genauso wie Arbeitsplätze und den Frieden.

Ist das so?

 

Als ich noch im Allgäu gewohnt habe, erlebte ich einen von vielen Rechtsstreitigkeiten mit, in dem es darum ging das ein Bauer die Glocken seiner Milchkühe entfernen musste (weil es den zugezogenen Menschen aus dem Norden nicht gepasst hat das diese immer läuten). Wir ziehen gegen unseren Nachbarn (der derselben Kultur angehört) vor Gericht weil sein Kirschbaum 10 Zentimeter auf unser Grundstück ragt oder verhindern das Kindergärten in Wohngebieten gebaut werden dürfen (wegen Lärmbelästigung). Wir brauchen niemanden beschuldigen oder verurteilen, sondern einfach nur mal in den Spiegel schauen!

Hier möchte ich wieder den Bogen auf den eigentlichen Kern meines Artikels spannen: der Dunkelheit! Die eigene Seele zu betrachten, in den sprichwörtlichen Spiegel zu schauen bedeutet sich der eigenen Dunkelheit zu stellen. Das gehört in diese Zeit der Wintersonnenwende hinein und es ist so wichtig und wertvoll. 

Für deinen Alltag

Wenn auch du im Moment eine gewisse Schwere und Energielosigkeit fühlst dann hat die Dunkelheit ihren Anteil daran. Es kommt dir vielleicht wie Stillstand, sowohl im Inneren als auch im Äußeren vor. Und dennoch, wenn du genau hinfühlst spürst du, dass sich etwas Neues in dir regt und ankündigt. Es mag noch nicht greifbar sein aber je näher der Jahreswechsel rückt, desto stärker wird auch das Gefühl. Das lässt sich wunderbar auf das Leben übertragen: es gibt helle Stunden und es gibt dunkle Stunden und selbst in einer noch so dunklen Stunde spüren wir Vertrauen. Ein Vertrauen darauf, dass das Licht wieder zunehmen wird! So ist es auch in der Natur, Mutter Erde lebt es uns täglich vor. 

Zeit für dichIch möchte dich nun einladen dir in den kommenden Tagen (jeden Tag!) ein paar Minuten Ruhe zu gönnen und dir ein paar Gedanken zu machen. Lege dir am Besten an deinen Lieblingsplatz dein Tagebuch, ein paar Zettel oder was auch immer und einen Stift parat. Erlaube dir still zu werden, fernab von Fernsehen – Smartphone und Emails.

  • Schau aus dem Fenster und nimm wahr was ist: regnet es oder ist es trocken? Windet es / hat es Wolken am Himmel? Was siehst du?
  • Was bedeutet diese Zeit / dieser Tag heute für dich? 
  • Wie hast du früher diese Zeit des Jahres erlebt? 
  • Was hat dich in dieser Zeit begleitet? (vielleicht ein Gedicht, bestimmte Musik oder eine Geschichte)
  • Was möchtest du neu gestalten? (Sage Termine ab, fühl dich niemandem verpflichtet!)

 

Schenke dir diese Minuten der Stille jeden Tag bis zum Ende dieses Jahres 2016! Und lasse alles zu: trauriges – fröhliches – schmerzhaftes und verletzendes. Lass es aus deinem Herzen über den Stift auf Papier fließen. 

Nimm deine inneren Prozesse wahr

 

Diese Zeit ist soviel mehr als geschäftiges Treiben und Hetze. Diese Zeit ist eine Zeit der Einkehr, der BeSINNlichkeit und Transformation. Früher wurde ich um diese Zeit regelmäßig krank und lag mit einer satten Erkältung flach und das obwohl noch sooooo viel zu tun war. Glaubst du das ist zufällig geschehen? Ich bin überzeugt davon, dass dem nicht so wahr. So konnte ich „gezwungenermaßen“ Ruhe und Kraft tanken, konnte mir Zeit nehmen um zu schlafen und zu träumen. Langsamkeit!! Wenn wir krank sind, sind wir zur Langsamkeit verdonnert bzw. haben uns selbst soweit gebracht. Es geht auch darum in dieser Zeit Hilfe und Fürsorge in Anspruch zu nehmen und nicht als etwas schlechtes abzulehnen. Wenn die Schwiegermutter gerne den Kuchen backen möchte, dann lass sie doch. Wenn die Nachbarin dir anbietet deine Einkäufe mitzubringen, dann erlaube es euch beiden! Dies sind auch Punkte die ich in meinen Top 5 Tipps für eine erholsame Adventszeit genannt habe (siehe Startseite). Sie sind so klein und helfen uns enorm – wenn wir es denn nutzen wollen und können.

Es geht letztendlich darum bestimmte Verhaltensweisen, Einstellungen und Menschen zu verabschieden. Schau dir deine Prioritäten an, prüfe deine Lebensziele und halte Ausschau nach neuen Wegen. Dann kannst du deinen Weg gehen, aus der Dunkelheit hinein ins Licht des Tages. 

Ich wünsche dir von Herzen ein wundervolles und erholsames Weihnachtsfest. Gönne dir Zeiten der Stille und Einkehr, schreibe deine Gedanken nieder und lade die Dunkelheit ein, anstelle sie zu verdammen. Alles Liebe, deine

Nicole Bailer

 

P.S: Wenn du dein Leben tiefgreifend transformieren möchtest und deine Lebensplanung einmal von Innen nach Außen gestalten möchtest, kannst du dich noch bis zum 27. Dezember 2016 zu meinem Kurs „Ziele mit Seele“ anmelden. Bist du bereit für dein Jahr 2017?

Ein Kommentar Schreib einen Kommentar

  1. Vielen Dank für den sehr berührenden und tiefgehenden Artikel, liebe Nicole. Ich denke auch, dass sich jeder den Stress selbst macht. Auch, wenn Weihnachten jedes Jahr vollkommen überraschend kommt, könnte man von erwachsenen Menschen eine gewisse Routine und Organisation erwarten.
    Ich denke gerne an meine Freundin, die aus einer sehr großen Familie stammt. Sie wichteln jedes Jahr, d.h. jeder zieht einen anderen und beschenkt diesen = jeder bekommt EIN Geschenk. Und außerdem haben sie sich auf Bücher und Spiele und Musik geeinigt. D.h. Anfang Dezember verbringt sie einen Vormittag im Buchgeschäft und alles ist erledigt 🙂 So einfach kann es gehen.

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